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Quelle: WikiPedia

Aus der Rechtsprechung: Überführter Blaumacher muss Detektivkosten ersetzen

Jede Firma kann von ihren Arbeitnehmern die Kosten für die Einschaltung einer Detektei zurück fordern, wenn die Ermittlung der Detektei zur Überprüfung einer arbeitsvertragswidrigen Aktivität des Arbeitnehmers notwendig war und der Arbeitnehmer sich als Blaumacher herausstellte, der während des Krankenscheins anderweitig aktiv war. Dieses Urteil fällte das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in Mainz in zweiter Instanz und bestätigte damit die Rechtsprechung des Arbeitsgerichts Ludwigshafen aus der ersten Instanz.


Im zu verhandelnden Rechtsstreit hatte sich ein Brief- und Zeitungszusteller  krankschreiben lassen. Zur Überbrückung  der Dauer des Krankenscheins  betraute seine Firma die Frau des vorgeblichen Kranken als dessen Vertreterin mit der in der Nacht notwendigen Austragetätigkeit. Dabei  half der Kranke seiner eigenen Frau  bei dieser Tätigkeit. Weil er von einer dritten Person gesehen wurde, die den Arbeitgeber darüber informierte, schaltete dieser zur Beweissicherung eine Privatdetektei mit der Observation des kranken Mitarbeiters in den folgenden Nächten. Dabei bestätigte sich der Verdacht und der vorgeblich Kranke konnte tatsächlich von den Detektiven dabei beobachtet werden, wie er seiner Frau half.  Der Arbeitgeber reagierte naturgemäß verärgert und forderte auch die Kosten für den Detektiveinsatz von dem angeblich Kranken zurück.


Das OLG begründete die Verurteilung des angeblich Kranken zur Zahlung von Schadensersatz damit, dass dieser seine arbeitsvertraglichen Pflichten vorsätzlich verletzt habe, da er seine Arbeitsunfähigkeit mindestens während der Zeit, in der er von dem Detektivbüro überwacht wurde, simuliert und seinen Arbeitgeber dadurch veranlasst habe, seine Ehefrau an seiner Stelle als Aushilfskraft einzustellen und natürlich auch zu bezahlen. In Wirklichkeit sei er aber gar nicht arbeitsunfähig krank gewesen. Mindestens in den beiden Nächten, während derer er durch die Privatdetektive observiert wurde, hat er nämlich genau jene Tätigkeiten erbracht, die er auch gemäß Arbeitsvertrag hätte erbringen müssen.


Der angeblich Kranke wollte sich mit der Ausrede verteidigen,  ihm sei aus ärztlicher Sicht nur eine vollschichtige Arbeitstätigkeit untersagt worden. Die wenigen Arbeitsstunden, die er leistete, um seiner Frau zu helfen, wären ihm trotz seiner Erkrankung durchaus möglich gewesen. Die Richter sahen das gänzlich anders. Insbesondere verlangte das Gericht für diese Ausrede  die Darlegungs- und Beweislast durch den Arbeitnehmer, der dieser aber nicht gerecht geworden sei. Üblicherweise wird mit einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nämlich bescheinigt, dass ein Arbeitnehmer die arbeitsvertraglich geschuldete Arbeit aus Gründen der Krankheit generell nicht ausführen kann. Das von dem Arbeitnehmer im Prozessverlauf  vorgelegte Attest des Arztes gab keine Erklärung für eine ausnahmsweise bestehende tägliche Arbeitsfähigkeit von zwei Stunden bei genereller Arbeitsunfähigkeit ab.


Der Arbeitnehmer muss nun alle Kosten ersetzen, die eine vernünftige, wirtschaftlich denkende Person nach den Umständen des Falles zur Beseitigung der Störung beziehungsweise zur Schadensverhütung nicht nur als zweckmäßig, sondern als erforderlich ergriffen hätte. Dazu gehören im vorliegenden Fall selbstredend auch die Kosten für den Detektiveinsatz.


Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz,  Urteil vom 20.08.2008, Aktenzeichen 7 Sa 197/08.

Berufsgeschichte: Detektiv

Anfänge der Berufsgeschichte in Deutschland


Die stetig steigende Industrialisierung in Deutschland erzeugte einen neu entwickelten  Bedarf von Firmen und Geschäftsleuten, wirtschaftliche Auskünfte über das Leistungspotenzial ihrer Geschäftspartner zu erhalten. Dieser Nachfrage kam 1860 der Makler S. Salomon nach, der im seinerzeit noch zu Deutschland zählenden Stettin die erste Detektei mit dem Firmennamen "Erkundungsbüro zur Wahrung kaufmännischer Interessen für Stettin und die Provinz Pommern" gründete. Dadurch wurde Salomon quasi zum ersten deutschen Detektiv. Diesem Vorbild nachahmend wurden in den folgenden Jahren auch in anderen deutschen Großstädten Detekteien gegründet. Zunächst erfolgte die Gründung einer Detektei in Dresden, dann folgte eine Detektei in  Berlin, wo es aufgrund der Größe und Bedeutung der Stadt schon bald eine Vielzahl von Detekteien gab. Häufig waren es ehemalige Polizisten, die sich als Privatdetektiv in Berlin etabliert hatten und die durch ihre bei der Polizei gewonnene Erfahrung und ihr kriminalistisches Gespür die nötigen und relevanten Qualifikationen für diesen komplett neuen Berufsstand als Detektive mitbrachten. Aber nicht nur im wirtschaftlichen Sektor wurden Detektive benötigt. Tatsächlich wurden die Dienste von Detekteien schon sehr bald auch von Privatleuten immer häufiger in Anspruch genommen.


Im Jahr 1896 wurde der Reichsverband Deutscher Detektiv-Institute e.V. aus der Taufe gehoben. Dieser Verband der Detektive hatte die Aufgabe, sich um die Belange der Detekteien gegenüber dem Gesetzgeber, Gerichten und Behörden zu kümmern. Die Zahl der Detekteien wuchs stetig. Im Jahr 1925 gab es in Deutschland bereits  1321 Detekteien.  In  dieser unruhigen Epoche war speziell das Sicherheitsbedürfnis der gehobenen Bürgerschicht stark ausgeprägt. Daher übernahmen die Detekteien mit dem Personenschutz und der Bewachung ein weiteres Arbeitsfeld. Die Machthaber des Dritten Reiches ließen dann keinen Raum mehr für privat ermittelnde Detekteien und verboten mit einem neuen Gesetz vom 01.02.1939 deren Ermittlungstätigkeit. Nach dem Ende des Krieges erfuhr das Gewerbe der Detektive in Deutschland eine Renaissance. Bereits 1946 wurde wieder ein Detektiv-Verband aus der Taufe gehoben und Regeln für Detektive festgelegt. Heute ist der Berufsstand ein wichtiger Helfer der Anwaltschaft, von Firmen und Privatpersonen aller Altersklassen zur Beschaffung von gerichtsverwertbaren Beweismitteln.


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